1. Einleitung
Ob Familienzuwachs, Homeoffice oder einfach der Wunsch nach mehr Komfort – der Platzbedarf in den eigenen vier Wänden wächst. Doch nicht immer ist ein Umzug die beste Lösung. Viele Hausbesitzer stellen sich deshalb die Frage: Wanddurchbruch oder Anbau – wie kann ich mein Zuhause sinnvoll erweitern?
Beide Optionen bieten Vorteile, bringen aber unterschiedliche Anforderungen mit sich. Ein Wanddurchbruch schafft mehr Offenheit und verbindet Räume neu. Ein Anbau hingegen erweitert die nutzbare Fläche dauerhaft – ideal für zusätzliche Zimmer oder ganze Wohnbereiche.
In diesem Beitrag erfährst du, wann sich welche Maßnahme lohnt, worauf du bei Planung und Umsetzung achten musst – und welche Kosten, Vorschriften und Fördermöglichkeiten dich erwarten.
2. Wanddurchbruch: Offene Räume schaffen
Ein Wanddurchbruch ist eine effektive Möglichkeit, bestehende Räume neu zu strukturieren. Offene Grundrisse liegen im Trend und lassen kleinere Wohnflächen großzügiger, heller und moderner wirken. Besonders beliebt: Die Verbindung von Küche und Wohnzimmer zu einem Wohn-Essbereich.
Tragende und nicht tragende Wände: Der Unterschied zählt
Bevor die Wand fällt, muss geklärt werden, ob es sich um eine tragende oder nicht tragende Wand handelt:
- Nicht tragende Wände: Können meist ohne großen Aufwand entfernt werden
- Tragende Wände: Benötigen statische Berechnung und ggf. Ersatz durch Träger oder Stützen
Ein Statiker oder Bauingenieur muss prüfen, welche Lasten abgefangen werden müssen. Der Einbau eines Stahlträgers ist bei tragenden Wänden üblich – je nach Wandlänge und Geschosszahl.
Typische Kosten & Aufwand für einen Wanddurchbruch
- Wanddurchbruch (nicht tragend): ca. 500 – 1.500 €
- Tragende Wand mit Träger: ca. 2.000 – 5.000 € (je nach Statik und Aufwand)
- Zusätzliche Kosten: Entsorgung, Putzarbeiten, Versetzen von Leitungen oder Schaltern
Der Wanddurchbruch ist in den meisten Fällen genehmigungsfrei, sofern er innerhalb der Wohnung oder des Hauses erfolgt und keine baurechtlichen Auflagen verletzt.
Im nächsten Abschnitt schauen wir uns an, wann ein Anbau die bessere Lösung ist – und welche Möglichkeiten es dafür gibt.
3. Wann lohnt sich ein Anbau wirklich?
Ein Anbau ist die umfangreichere, aber dauerhaft effektivere Möglichkeit, Wohnfläche zu erweitern. Er schafft echten Raumzuwachs – sei es durch ein neues Zimmer, ein größeres Wohnzimmer, ein Bad im Erdgeschoss oder sogar eine separate Einliegerwohnung. Ideal, wenn Grundstück und Bausubstanz mitspielen.
Vorteile eines Anbaus
- Mehr Wohnfläche: Zusätzliche Zimmer oder Erweiterung bestehender Räume
- Flexibel nutzbar: Als Kinderzimmer, Büro, Hobbyraum oder altersgerechtes Wohnen
- Wertsteigerung: Professionell geplanter Anbau erhöht den Immobilienwert
- Bessere Grundrissnutzung: Gerade bei verwinkelten Altbauten oder kleinen Räumen
Typische Anbauarten im Überblick
- Seitlicher Anbau: Erweiterung zur Grundstücksseite – oft bei Einfamilienhäusern genutzt
- Anbau zur Gartenseite: Ideal für Wohnraumerweiterung mit Terrassenanschluss
- Aufstockung: Neues Stockwerk oder Ausbau des Dachs – bei beengten Grundstücken
- Wintergarten oder verglaster Wohnbereich: Lichtdurchflutete Ergänzung als Wohnraumerweiterung
Ein Anbau lohnt sich insbesondere dann, wenn eine größere Flächenerweiterung gewünscht ist oder der Grundriss nicht mehr zum Lebensstil passt. Im nächsten Abschnitt vergleichen wir Aufwand und Kosten mit einem Wanddurchbruch.
4. Kosten & Aufwand im Vergleich
Wanddurchbruch oder Anbau – die Entscheidung hängt nicht nur vom Platzbedarf, sondern auch von Budget, baulichen Möglichkeiten und Zeitrahmen ab. Während ein Wanddurchbruch schneller und günstiger umgesetzt ist, bietet ein Anbau langfristig mehr Flexibilität und Fläche.
Kostenübersicht: Wanddurchbruch vs. Anbau
| Maßnahme | Typische Kosten | Dauer | Genehmigungspflicht |
|---|---|---|---|
| Wanddurchbruch (nicht tragend) | ca. 500 – 1.500 € | 1 Tag | Nein |
| Wanddurchbruch (tragend) | ca. 2.000 – 5.000 € | 2–3 Tage | Nein, aber Statiknachweis nötig |
| Anbau (ca. 20 m²) | ca. 40.000 – 80.000 € | 6–12 Wochen | Ja |
Hinweis: Die genannten Werte sind Richtwerte. Art des Baugrunds, Ausstattung, technische Anforderungen und regionale Preisunterschiede wirken sich stark auf die Kosten aus.
Wann lohnt sich welche Lösung?
- Wanddurchbruch: Ideal zur Öffnung von Grundrissen, optischer Raumvergrößerung oder Verbindung einzelner Bereiche
- Anbau: Sinnvoll bei echtem Platzmangel, Familienzuwachs oder zur altersgerechten Wohnraumerweiterung
Im nächsten Abschnitt erfährst du, welche rechtlichen Vorschriften und Genehmigungen du bei beiden Maßnahmen beachten musst.
5. Genehmigung & Vorschriften beachten
Bei baulichen Veränderungen im Haus oder auf dem Grundstück gilt: Rechtzeitig klären, was erlaubt ist. Denn während ein Wanddurchbruch oft genehmigungsfrei ist, braucht ein Anbau in der Regel einen Bauantrag und muss zahlreiche Vorschriften erfüllen.
Wanddurchbruch im Bestand
- Genehmigung: In der Regel nicht erforderlich, wenn die Maßnahme im Innenbereich bleibt
- Statik: Bei tragenden Wänden ist ein Tragwerksplaner oder Statiker notwendig
- Haustechnik: Versorgungsleitungen wie Strom, Wasser oder Heizung müssen ggf. verlegt werden
Anbau am Haus
- Baugenehmigung: Fast immer notwendig, da Wohnfläche vergrößert wird
- Bauanzeige: In einigen Bundesländern reicht bei kleineren Vorhaben eine vereinfachte Anzeige
- Abstandsflächen: Je nach Landesbauordnung müssen bestimmte Abstände zum Nachbargrundstück eingehalten werden
- Nachbarschaftsrecht: Zustimmung kann erforderlich sein, insbesondere bei Grenzbebauung
- Denkmalschutz: Bei älteren oder geschützten Gebäuden besondere Regelungen
Tipp: Kläre vorab mit dem örtlichen Bauamt, welche Anforderungen gelten – und hole dir ggf. Unterstützung durch einen Architekten oder Bauplaner. Das spart Zeit, Geld und Ärger.
Im nächsten Abschnitt zeige ich dir, welche Fördermöglichkeiten du beim Umbau oder Anbau nutzen kannst – und wann sich energieeffizientes Bauen doppelt lohnt.
6. Energieeffizienz & Fördermöglichkeiten
Ein Wanddurchbruch oder Anbau bietet nicht nur mehr Platz, sondern ist auch eine gute Gelegenheit zur energetischen Verbesserung. Wer klug plant, kann Fördermittel nutzen und langfristig Heizkosten sparen – vorausgesetzt, die Maßnahmen erfüllen bestimmte Anforderungen.
Förderung bei Anbauten
- KfW-Kredit für Effizienzhaus: Wenn der Anbau Teil einer Sanierung zum Effizienzhaus ist, sind Förderkredite mit Tilgungszuschuss möglich (z. B. Programm 261)
- BAFA-Zuschuss für Einzelmaßnahmen: Dämmung der Außenwände oder der obersten Geschossdecke im Zuge des Anbaus kann mit bis zu 15–20 % gefördert werden
- Steuerbonus: Alternativ können 20 % der Sanierungskosten über drei Jahre steuerlich geltend gemacht werden (§35c EStG)
Wanddurchbruch: Förderpotenzial bei Dämmung
Beim Wanddurchbruch entstehen häufig neue Anschlussstellen zur Außenwand oder zum Dach. Wer in diesem Zuge Dämmmaßnahmen durchführt (z. B. Innendämmung oder Anschluss an neue Fenster), kann auch hier BAFA-Förderung oder Steuerbonus nutzen – sofern die technischen Mindestanforderungen erfüllt sind.
Was wird nicht gefördert?
- Reine Umbaumaßnahmen ohne energetische Verbesserung (z. B. Wanddurchbruch ohne Dämmung)
- Selbstausgeführte Arbeiten ohne Fachunternehmerbescheinigung
- Maßnahmen, die vor Förderantrag begonnen wurden
Wichtig: Fördermittel müssen immer vor Beginn beantragt werden. Eine qualifizierte Energieberatung hilft bei Planung, Nachweis und Antragstellung.
Im nächsten Abschnitt fassen wir zusammen, welche Lösung sich wann lohnt – und warum eine gute Planung entscheidend ist.
7. Fazit
Ob Wanddurchbruch oder Anbau – beide Maßnahmen bieten clevere Lösungen für mehr Platz und Wohnqualität. Während der Wanddurchbruch ideal ist, um Räume zu öffnen und Grundrisse zu modernisieren, schafft ein Anbau zusätzliche Wohnfläche mit langfristigem Mehrwert.
Welche Variante die richtige ist, hängt von Gebäudestruktur, Budget, Platzbedarf und Genehmigungslage ab. Wer energetisch saniert oder gleich Fördermittel nutzt, kann zudem von finanziellen Vorteilen profitieren.
Entscheidend für den Erfolg ist eine sorgfältige Planung mit fachlicher Unterstützung. So lassen sich rechtliche Hürden, Baumängel und unnötige Kosten vermeiden – und dein Zuhause wird genau so, wie du es brauchst.
8. FAQ – Häufige Fragen zu Wanddurchbruch & Anbau
Was kostet ein Wanddurchbruch in einer tragenden Wand?
Je nach Wandstärke, Material, Öffnungsbreite und notwendigem Träger liegen die Kosten häufig bei ca. 2.000–5.000 €. Enthalten sind meist Abstützung, Rückbau, Träger (z. B. Stahl), Einbau und grobe Nacharbeiten. Ein Statiknachweis ist bei tragenden Wänden Pflicht und kommt zusätzlich als Planungskosten hinzu.
Muss ich für einen Wanddurchbruch eine Genehmigung einholen?
Oft ist für Innenumbauten keine klassische Baugenehmigung nötig, aber: Bei tragenden Wänden brauchst du in der Regel einen statischen Nachweis und eine fachgerechte Ausführung. In Mehrfamilienhäusern/WEG kann außerdem die Zustimmung der Eigentümergemeinschaft bzw. des Vermieters erforderlich sein. Im Zweifel kurz beim Bauamt/Verwalter nachfragen.
Wie lange dauert ein Wanddurchbruch?
Ein einfacher Durchbruch dauert meist 1–3 Tage – abhängig von Wandmaterial, notwendiger Abstützung, Trägereinbau und Staubschutz. Nacharbeiten (Putz, Spachtel, Malerarbeiten, Bodenanschlüsse, ggf. Elektro/Heizung) können zusätzlich Zeit brauchen.
Ab wann lohnt sich ein Anbau?
Ein Anbau lohnt sich, wenn du wirklich zusätzliche Wohnfläche brauchst (z. B. Kinderzimmer, Homeoffice, barrierearmes Wohnen, Einliegerwohnung) und Grundrissoptimierungen im Bestand nicht reichen. Wichtig sind auch Grundstücksgröße, Abstandsflächen, Bebauungsplan und Budget.
Was kostet ein typischer Anbau von ca. 20 m²?
Je nach Standard, Bauweise und Ausbauumfang liegen die Kosten grob bei 40.000–80.000 €. Zusätzlich kommen häufig Planungs-, Statik- und Genehmigungskosten sowie Anschlusskosten (Heizung, Elektro, Wasser/Abwasser) hinzu. Ein schlüsselfertiger Anbau mit hochwertiger Ausstattung liegt tendenziell am oberen Ende.
Ist für einen Anbau immer eine Genehmigung notwendig?
In der Praxis: meist ja. Ein Anbau verändert Kubatur und Nutzung und ist in den meisten Fällen genehmigungspflichtig (Bauantrag oder vereinfachtes Verfahren, je nach Bundesland). Zusätzlich müssen Abstandsflächen, Bebauungsplan, Brandschutz und ggf. energetische Anforderungen eingehalten werden.
Kann ich Fördermittel für einen Wanddurchbruch erhalten?
Direkt für den Durchbruch selbst meist nicht. Förderfähig kann es werden, wenn du im Zuge dessen energetische Maßnahmen umsetzt (z. B. Dämmung, Fenster) oder wenn Maßnahmen über bestimmte Programme/steuerliche Vorteile abgedeckt sind. Ob und wie das passt, hängt von der konkreten Maßnahme und dem Förderweg ab.
Wie finde ich heraus, ob eine Wand tragend ist?
Am sichersten über Baupläne/Statikunterlagen (Bestandspläne) oder durch einen Statiker. Als Faustregel sind Außenwände und einige Wände in der Gebäudemitte oft tragend – aber darauf solltest du dich nicht verlassen. Vor dem Durchbruch immer fachlich prüfen lassen.
Wie kann ich meinen Anbau energieeffizient gestalten?
Mit guter Dämmung (Wände/Dach/Bodenplatte), hochwertigen Fenstern, luftdichter Ausführung und einer sauberen Wärmebrückenplanung. Sinnvoll ist auch die Integration in die Haustechnik (z. B. Heizsystem, PV, Wärmepumpe). Ein gut geplanter energetischer Standard kann Betriebskosten senken und je nach Konstellation Förderfähigkeit verbessern.
Was ist günstiger: Wanddurchbruch oder Anbau?
Ein Wanddurchbruch ist in der Regel deutlich günstiger und schneller umsetzbar, schafft aber keine zusätzliche Fläche. Ein Anbau ist teurer und aufwendiger, liefert dafür echten Flächengewinn, mehr Nutzungsoptionen und kann den Immobilienwert stärker beeinflussen.











